Aus neu mach alt
Bergdorf Priesteregg

Aus neu mach alt

Referenz

Was macht die besondere Romantik alpenländischer Berghütten aus? Ist es das Holz innen und außen, das mit den Jahren seinen ganz eigenen Charme entwickelt? Ist es das Knistern von offenem Feuer oder sind es die Böden aus ungeschliffenem Naturstein? Sind es die kleinen Kastenfenster, knarzenden Decken und schwergängigen schmiedeeisernen Fenster- und Türbeschläge? Die Gäste des Feriendomizils Priesteregg in der österreichischen Gemeinde Leogang werden die Frage nach dem Notwendigen für die Romantik und dem Nützlichen für den Alltag sicher bald sehr genau beantworten können. Denn sie können sich in einem von 16 Chalets an der Atmosphäre historischer Almhütten erfreuen, ohne auf den Komfort modernen Wohnens zu verzichten.

Was für die meisten Gäste für immer ein Geheimnis bleiben wird: Jedes der 16 Chalets besteht aus sechs gut gedämmten Fassadenmodulen, die per Sattelschlepper angeliefert und mit dem Baustellenkran auf eine Betonbodenplatte aufgesetzt wurden. Der Zimmereifachbetrieb Höck Holzbau aus dem benachbarten Maishofen fertigte die Module vorab in seiner Werkstatt in klassischer Manier: Eine Holzrahmenkonstruktion wurde auf der Innenseite der Rohbauelemente mit OSB-Platten beplankt, auf der Fassadenseite mit einer diffusionsoffenen Agepan-Platte. Gedämmt wurde mit 16 cm dicken Steinwolle-Dämmplatten von Rockwool, jedes Modul mit Dichtbändern zum winddichten Fertigbauteil geschlossen.

Klimamembran lässt Wände "atmen"

Auf der Baustelle wurden die vorgefertigten Module auf einer Montageschwelle montiert, die vorab in Höhenlage gesetzt wurde. Dort, wo später die Fassade mit gebrochenem Naturstein verkleidet werden sollte, wurde die Wand innen mit der diffusionsoffenen Klimamembran "Intello Rockfol climate" von Rockwool ausgerüstet. "So helfen wir der Wand dabei zu 'atmen' und vermeiden zuverlässig den Stau von Feuchtigkeit in der Konstruktion", erläutert Zimmerermeister Dipl.-Ing. Sepp Höck. "Die Steinverkleidung außen behindert vielleicht das Austrocknen der Fassadenmodule - wir wollten hier einfach kein Risiko eingehen."

Altes Haus nach neuer EnEV

Wiederum aus Holzrahmenkonstruktionen errichtete das Team der Höck Holzbau im nächsten Schritt die Raumtrennwände des neuen Chalets, während parallel Strom- und Wasserleitungen auf den Fassadenmodulen verlegt wurden. Die so entstandene Installationsebene wurde noch einmal mit 6 cm Steinwolle gedämmt und mit OSB-Platten auf einer Holzunterkonstruktion beplankt. "Die Außenwände entsprechen durch diesen Aufbau und durch die gewählten Dämmdicken den Anforderungen der geltenden Energieeinsparverordnungen in Österreich", erklärt Sepp Höck, "ebenso die Dachkonstruktion, die zweilagig und mit insgesamt 20 cm Dämmung versehen wurde." Wind- und Schublasten werden über die Holzriegelraumtrennwände zuverlässig abgeleitet.

Perfekt: 20 cm Dachdämmung

Für den Dachaufbau griffen die Zimmerer in die "Trickkiste": Auf eine Dachbalkenkonstruktion aus Altholz, die mindestens ein Jahrhundert Hüttenromantik zu atmen scheint, wurden Altholzbretter aufgelegt, die von innen sichtbar bleiben. Auf diese erste Konstruktionsebene wurde eine bituminöse Dampfsperrbahn aufgelegt sowie zwei Lagen der besonders hoch belastbaren "Masterrock" Dachdämmplatten von Rockwool. Sie sind der Garant für den Schutz der Bewohner selbst bei hohen Schneelasten ebenso wie für den energieeffizienten Betrieb der Chalets. "Auch wenn alle Häuser über einen offenen Kamin verfügen, wollten wir natürlich unser Feriendorf möglichst umweltbewusst beheizen", sagt dazu Bauherr Hubert Oberlader. Ein Biomassekraftwerk, speziell für das Feriendorf errichtet und für den Betrieb mit Bruch- und Kleinholz aus den eigenen Wäldern konzipiert, sorgt für den Betrieb der Fußbodenheizung und warmes Wasser in den Chalets.

Regensicher im "Kern"

Als diffusionsoffene Abdichtung mit erhöhter Regensicherheit wurde auf den "Masterrock" Dachdämmplatten eine Stamisol Pack Folie verlegt, auf die eine Regenwasserdrainage aus Kupfer im Randbereich und die Balken bzw. Konterlattung als Träger des Holzschindeldaches aufgebracht wurden. Rund 15 cm Luftraum entstanden so zwischen Dämmschicht und Schindeldach. "Diese Dachkonstruktion, die bis zur Dichtbahn unsichtbar hinter der Fassade verschwindet, sorgt perfekt für erstklassige Wärmedämmung und hervorragenden Brandschutz", erläutert Sepp Höck, "und weil wir Rockwool Systeme eingesetzt haben, ist zugleich sichergestellt, dass trotz aller Gegenmaßnahmen eventuell eindringende Feuchtigkeit keinerlei Schaden an der Dämmung anrichtet. Denn eines muss man wissen: Die Lärchenschindeln auf dem Dach gehören zwar zur alpenländischen Hüttenarchitektur, aber sie sind natürlich nicht vollständig regenfest. Bei Dächern unter 22° Neigung ist nach DIN 68119 grundsätzlich ein wasserableitendes Unterdach erforderlich."

Unsichtbar: zeitgemäße Dämmung

Tatsächlich mag, wer vor einem der Chalets steht, nicht glauben, dass die Dachkonstruktion eine Stärke von insgesamt rund 60 cm erreicht und damit zuverlässig Wind und Wetter trotzt. "Das Dach ebenso wie die Kastenfenster nach historischem Vorbild sind vielleicht die besten Beispiele für das Konzept der Baumaßnahme", erklärt Architekt Alfred Waltl. "Hier wurde absolut zeitgemäß gebaut und gedämmt, die dafür notwendigen Maßnahmen bleiben aber fast unsichtbar. Denn nachträglich wurden die Innenräume und Fassaden so gestaltet, dass jedes Chalet für sich wirkt, als sei es von einer Alm geholt und hierher verpflanzt worden." Eventuelle Windsoglasten - auf einem Plateau in 1.800 Metern Höhe nicht zu unterschätzen und im Falle des Falles eine echte Belastungsprobe für die Dachkonstruktion - werden mittels Assy Holzschrauben abgetragen.

Natürliches aus dem Umland

Für das Gelingen des "Fassadenschwindels" sorgten die Sammelleidenschaft des Bauherrn und seiner erfahrenen Handwerker: Bretter und Balken aus alten Höfen und Scheunen wurden ebenso gesammelt wie Zirbenholzstämme und Felsbrocken aus der Umgebung, die sich jetzt in der Dekoration der Chalets außen und innen wiederfinden. An mancher Fassade sind Schnitzereien zu finden, die ursprünglich einmal über den Eingängen historischer Almen und Höfe zu Baujahr und Eigentümer informierten und die beim behutsamen Aufsägen der Balken erhalten wurden. "Aus Liebe zum Stein" spalteten der Bauherr und sein Natursteinmaurer selbst Gesteinsbrocken aus einem nahen Steinbruch und schufen so absolute Unikate. "Wir haben z. B. mit Hammer, Meißel und Flex aus den kleinen Platten Waschtische geformt", erinnert sich Hubert Oberlader an manche "Bastelstunde" im Sommer des Vorjahres. "Und aus den großen Platten wollten wir die Raumtrennwand in den Bädern zwischen Badewannen- und Duschbereich machen. Beides hat funktioniert."

Insgesamt drei Jahre mussten Renate und Hubert Oberlader um die Baugenehmigung für ihr Feriendorf ringen. Viel Zeit blieb da, um jedes Detail der Chalets zu planen und selbst Hand anzulegen, beim Behauen der Steine ebenso wie z. B. bei der Vorbereitung der Zirbenholzschalung für die Bekleidung der Innenwände. "Irgendwann haben wir einen Anruf bekommen, dass in der Nähe Zirben gefällt werden", erinnert sich Renate Oberlader, "und da haben wir uns sofort aufgemacht, die Stämme gekauft, aufsägen und einlagern lassen. Damals hatten wir noch gar keine Baugenehmigung, aber wir haben immer daran geglaubt, dass dieses Projekt Wirklichkeit wird und haben deshalb Ideen und Material gesammelt."

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